Marokko – Land aus 1001 Nacht

Sahara in Marokko

Meer, Berge und Wüste – dieses Land hat alles zu bieten

Anfang April waren wir für zwei Wochen in Marokko unterwegs und sogen den orientalischen Flair in uns auf. Wir entschieden uns im Vorfeld für eine Rundreise und legten die Route fest. Auch die Städte und die dortige Aufenthaltsdauer fixierten wir schon vorher. Bei den Übernachtungen entschieden wir uns fast ausschließlich für die traditionellen Riads und kamen so dem marokkanischen Leben ein kleines Stück näher. Und der Reise Anfang war in Marrakesch.

Essaouira

Essauoira IVMit EasyJet ging es von Berlin in die größte Stadt Marokkos – nach Marrakesch. Dort hatten wir uns einen Mietwagen reserviert, einen für zwei Personen völlig ausreichenden Hyndai i10. Mit diesem ging es noch am gleichen Tag an die Küste, und zwar in die kleine malerische Stadt Essaouira. Wir kamen zwar bei einbrechender Dunkelheit an, aber uns gefiel die Atmosphäre der Stadt sofort. Unser Riad lag in am Rande der Medina, gleich mit dem Meer vor der Haustür. Wir können das Riad „La Casa del Mar“ mehr als empfehlen. Essauoira IDie Zimmer sind hell, freundlich und mediterran eingerichtet, und der Weg zur Dachterrasse war auch nicht weit. Ohne Probleme konnten wir auf der Terrasse frühstücken und den Blick auf das Meer genießen, dabei schien uns die Sonne auf den Bauch – herrlich.

Wir erkundeten die Medina, besuchten die Souks und machten schließlich einen Abstecher an den Hafen, welcher ein Highlight der Stadt darstellt. Dort liegen ganz in blau gehaltene Fischerboot aneinander gereiht und bewacht von hungrigen Möwen. Diese ließen kaum eine Gelegenheit aus, um sich Fischreste zu ergattern oder sich in interessante Pose vor der Kamera zu bewegen.

Casablanca und Rabat

casablanca-moschee-hassan-2Nach zwei Nächten und einem vollen Tag verabschiedeten wir uns von Essaouira und fuhren entlang der Küsten nach Casablanca. Da die Straßen kaum befahren sind, konnten wir in aller Ruhe den Blick über die Landschaft schweifen lassen und mussten keine Angst haben, jemanden zu Nahe zu kommen.

So entspannt die Fahrt über die Landstraßen auch war, um anstrengender war die Fahrt in der Stadt. Schon bei der Einfahrt nach Casablanca merkten wir, dass hier das Gesetzt des Schnelleren herrscht. Jede Lücke wurde er-/und geschlossen, wer nicht schon bei Rot fuhr, wurde ausnahmslos halb taub gehupt und je näher wir dem Stadtzentrum kamen, desto chaotischer wurde es. Verschwitzt aber unfallfrei erreichten wir unser Hotel, was auch das einzige Hotel im klassischen Sinne auf unserer Reise war. In der Stadt selbst gab es nicht so viel von Bedeutung zu sehen, einzig die Moschee Hassan II. ist ein Touristenmagnet und war auch für uns der Grund, in Casablanca zu halten. Nach unserer Ankunft machten wir uns auch gleich ein Bild diesen imposanten Gebäudes und konnten im Anschluss einen fantastischen Sonnenuntergang genießen.

Die Große Moschee ist eine der wenigen Marokkos, wo man als Nichtmuslim überhaupt Zutritt gewährt bekommt. Aus diesem Grund machten wir am nächsten Tag eine Führung durch die Moschee und bekamen ein erstes Bild vom Islam vermittelt. Und einmal mehr hat sich gezeigt, das der Islam in unserer westlichen Welt oft verklärt wird und zu unrecht einigen Klischees ausgesetzt ist. Leider. Nach dem interessanten Rundgang war auch unser Aufenthalt in Casablanca beendet und wir fuhren weiter nach Rabat.

In Rabat erwartete uns wieder der mehr als gewöhnungsbedürftige Verkehr, doch wir fanden schnell einen Parkplatz und suchten in den engen Gassen der Medina unser Riad. Dort angekommen erfuhren wir einmal mehr, was den Marokkanern ihre Gäste bedeuten. Wir wurden herzlich, freundlich und authentisch empfangen. Wir bekamen Tipps zur Stadt und nach der kurzen Einweisung machten wir uns auch schon auf den Weg. Durch enge Gassen, volle Souks, bis hin zum Meer. Von dort spazierten wir weiter an der Küste lang, bis wir am Hafen eintrafen, um dann den Weg zum Königspalast einzuschlagen.

Dort machte ich, im Nachhinein betrachtet, einen ziemlich dummen Fehler. Wir waren schon fast an einem der Eingänge angekommen, da wurde der Verkehr angehalten, die Straße gesperrt und zwei abgedunkelte Limousinen verließen das Gelände.

Ohne Nachzudenken zog ich die Kamera hoch und machte zwei Bilder der ganzen Szenerie – mit Folgen. Es dauerte nicht lange, da hatte ich die Palastwache, Polizei sowie die Leibgarde bei mir stehen. Die Herren waren keineswegs unfreundlich, jedoch sehr bestimmt. Ich musste erklären, wer ich bin, was ich in Marokko mache, warum ich Fotos geschossen habe und musste die Bilder zeigen. Ich entschuldigte mich fortwährend und bot sofort an, die eben gemachten Fotos unverzüglich zu löschen – was so erstmal angenommen wurde. Ich löschte also fleißig und auch danach musste ich mehrmals die Bilder zeigen, welche ich davor gemacht hatte. Dann wurden wir um unsere Pässe gebeten, mit denen einer der Herren erstmal verschwand. Das war übrigens der Zeitpunkt, wo ich noch eine missgestimmte Person mehr um mich hatte: Meine Frau. Die war alles andere als begeistert, denn unsere Pässe waren eingezogen, es stand noch im Raum, dass die Karte formatiert werden soll und überhaupt konnten wir den Besuch des Königspalast nun vergessen. Merde!

Es dauerte gefühlt einige Stunden, doch tatsächlich kam der Leibgardist nach wenigen Minuten wieder, wir bekamen unsere Pässe zurück und durften von dannen ziehen – mit allen bisher gemachten Bildern.

Trotz, oder gerade wegen des kleinen Zwischenfalls wurde es noch ein schöner Abend, mit einem Sonnenuntergang und sehr leckerem Essen. Ein absoluter Geheimtipp ist das Restaurant Dar Naji in der Avenue Jazirat Al Arabe. Neben der tollen Lage, dem freundlichen Personal, der gemütlichen Atmosphäre und den günstigen Preisen bekommt man hier ausgesprochen leckeres Essen.

Meknès und Fès

Meknes IAm nächsten Morgen machten wir uns auf, um zwei weitere Königsstädte zu besuchen. Den Anfang macht hier Meknès. Hier gefiel uns, wie auch schon zuvor, die ausgeprägte Gastfreundschaft und die alte, verwinkelte Medina. Wir besuchten eine ehemalige Koranschule, welche heute für Jedermann zugänglich ist.

Am darauf folgenden Tag ging die Fahrt weiter nach Fès, allerdings mit einem kleinen Abstecher nach Volubilis, Volubilis Ieiner Ausgrabungsstätte römischer Siedler, welche wohl um das Jahr 25 entstanden sein soll. 1997 wurde diese Siedlung entdeckt und viele Teile wurden wieder freigelegt. Erhalten sind auch besonders schöne und detaillierte Mosaike.

In Fès angekommen erkundeten wir sogleich die Souks und lernten so die Stadt von ihrer interessantesten, jedoch auch von ihrer labilsten Seite kennen. Viele Gebäude der Medina sind vom Einsturz bedroht und die Baufälligkeit sieht man an jeder Ecke.

fes-gerberei-1Es dauerte nicht lange, da wurden wir von einem Jugendlichen angesprochen, ob wir nicht das Gerberviertel aufsuchen möchten. Und wie wir das wollten, es war ein fester Punkt auf meiner „Must-See-Liste“. Wir bogen links ab, dann rechts, noch mal rechts, wieder links, dann durch einen Hauseingang, wieder in einen Hof und noch mal eine Kombination aus Richtungswechsel rechts/links. Alleine hätten wir das vermutlich nicht gefunden, und so ging es schnell und wir konnten uns ein bisschen mit dem Jungen unterhalten.

Wir betraten das Haus seiner Familie, wo wir keineswegs allein waren. Auch andere Touristen „trieben“ sich hier rum, um die Gerber bei der Arbeit zu sehen. fes-gerberei-2Wir stiegen eine schmale Treppe bis zum Dach hoch, der Geruch wurde immer strenger und als wir dann an die Luft traten, bekamen wir die volle Breitseite der Gerberei ab. Doch das gehört eben dazu und wir konnten dennoch den Anblick genießen – wenn das das richtige Wort ist.

Neben diesem Highlight stiegen wir auch noch auf einen Hügel etwas außerhalb der Stadt und hatten so einen wunderbaren Blick auf Fès und seine gigantische Medina. Mit Fès hatten wir nun auch unsere vorerst letzte Stadt besucht, denn nun schickten wir uns selbst in die Wüste.

Sahara – Wüste Marokkos

Straße in Marokko IDie längste Fahrt des Urlaubs führte uns von Fès nach Merzouga. Es war zwar eine lange Strecke, dafür aber eine überaus entspannte Fahrt durch eine sich ständig verändernde Landschaft. Neben der Landschaft machte ich erneut Bekanntschaft mit der marokkanischen Polizei. Auch dieses Mal zurecht und auch dieses Mal bin ich mit einem blauen Auge davon gekommen. Im Grunde bin ich ein sehr korrekter Fahrer, der sich immer an die Geschwindigkeit hält, nur dieses eine Mal habe ein Verkehrsschild missgedeutet und bin mit knapp 20 km/h mehr als erlaubt rausgezogen worden.

Doch Dank meiner hervorragend nichtvorhandenen Französischkenntnisse konnten der Polizist und ich uns nicht einigen. Er wollte EURO, die ich nicht hatte, ich wollte in Landeswährung bezahlen und einen offiziellen Beleg, den er nicht ausstellen wollte. Und nach wenigen Minuten konnte ich mit einem freundlichen Handschlag und wohlmeinenden Worten die Weiterfahrt antreten und das ohne einen Dirham zu bezahlen.

Schon bald erreichten wir absolut karges Land. Man konnte kilometerweit blicken, kaum Vegetation und sehr wenig Verkehr prägte die Fahrt. Im Hintergrund konnten wir erste Dünen ausmachen und unser Weg führte weg von der Straße, auf einen relativ gut befahrbaren Schotterweg bis hin zu unserer Kasbah (traditionelle Wohnburg der Berger). Dort blieben wir eine Nacht in einem mehr als großzügigem Zimmer mit Dachterrasse bevor es am nächsten Tag per Kamel zu einem Beduinenlager ging. Und das war schon sehr interessant. Denn, auf einem Kamel zu reiten ist alles andere als bequem. Der Sattel ist hart, man sollte sich tunlichst festhalten, wenn die Tiere die Dünen hoch und runter traben und dabei geht es keineswegs schnell voran. Das machte auch das Fotografieren, gar den Objektivwechsel oft unmöglich. Sahara IIINach knapp 1,5 Stunden erreichten wir unser kleines Zeltlager und hatten noch ausreichend Zeit zum Fotografieren bis zum Sonnenuntergang. Im Lager selbst gab es kein Strom, kein fließendes Wasser und Telefon konnte man auch ausgeschaltet lassen – eine für uns völlig ungewohnte Situation. Doch was soll’s, es war verdammt cool 🙂

Als die Sonne dann hinterm Horizont verschwunden war, gab es eine sehr leckere Tajine, wir musizierten (mehr schlecht als recht) und verschwanden dann bald im Zelt. Denn am nächsten Morgen wurden wir früh geweckt, um einen herrlichen Sonnenaufgang zu bewundern. Dann ging es per Kamel wieder zurück und von unserer Kasbah aus traten wir den Weg in Richtung Atlasgebirge an. Auf dem Programm standen Ouarzazate, Gorges du Dades und danach Aït-Ben-Haddou.

Gorges du Dades, Ouarzazate und Aït-Ben-Haddou

Gorges du Dades IEs dauerte gar nicht lange, da veränderte sich mit jedem Kilometer die Landschaft und bald tauchten vor uns die ersten Berge des Atlasgebirges auf. Die Vegetation war zwar immer noch spärlich, aber wir passierten die ein oder andere Oase. Zunächst fuhren wir in die Todraschlucht, welche besonders durch ihre bis zu 300m steil abfallenden Felswände bekannt ist.

Dann fuhren wir weiter bis ins Dadestal, wo wir auch eine Nacht verweilten. Beeindruckend fahren wir die grünen Streifen entlang des Flusses im ansonsten kargen und lebensfeindlichen Tal.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Aït-Ben-Haddou. Auf dem Weg dorthin statteten wir Ouarzazate noch einen Besuch ab. Diese kleine Stadt ist vor allem durch seine Drehorte für Hollywood bekannt. „Gladiator“, „Babel“ und „Der Medicis“ wurde hier gedreht, um nur ein paar der Filme und Serien zu nennen.

In Aït-Ben-Haddou angekommen besuchten wir sogleich die Sehenswürdigkeit überhaupt – den alten Dorfkern. Weitestgehend unbeschadet stehen noch Lehmhütten aus dem 12. bis 16. Jahrhundert und werden zum Teil auch noch bewohnt. Viele Hütten stehen jedoch leer und können von Touristen erkundet werden. Oben auf dem Hügel angekommen hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Umland – natürlich gute Sicht vorausgesetzt.

Marrakesch

Marrakesch - Djemaa el FnaNach Aït-Ben-Haddou traten wir unsere letzte Fahrt nach Marrakesch an, wo wir für drei Nächte das traditionelle Riad Losra gebucht hatten. Dort waren wir in der Medina aber nicht mitten im Trubel. Und so konnten wir von da aus die Stadt wunderbar erkunden – sei es die Souks, verschiedene Gärten (wie den Jardin Majorelle) oder eben den berühmten Djemaa el Fna.

Wer nicht einmal auf dem Djemaa el Fna war, war nicht wirklich in Marrakesch. Marrakesch SouksDort trifft man auf 1000nde Menschen, die sich die Gaukler, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler und Musiker anschauen oder auf der Suche nach etwas zu Essen sind.

Marrakesch ist eine bezaubernde Stadt, gastfreundlich, traditionell und doch an vielen Ecken schon „westlich“ auf die vielen internationalen Gäste eingestellt. Die Moderne hat in dieser Stadt schon an einigen Ecken Einzug gehalten.

Marokko ist ein vielseitiges und wundervolles Land, dessen Menschen die Traditionen nicht vergessen haben und sich doch der Moderne nicht verwehren. Bevor man in Marokko war, kennt man die Geschichten aus 1001 Nacht nur aus der Literatur, dort bekommt man die Atmosphäre wahrhaftig zu spüren. Weitere Bilder sind hier zu sehen: Galerie

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3 Gedanken zu „Marokko – Land aus 1001 Nacht

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